Übers Zufriedenerwerden

Älterwerden? Nein. Das ist nichts, was mich erschreckt. Das hat es weder mit 30 noch mit 40 getan. Warum sollte es mich also mit 50+ beunruhigen? Im Älterwerden haben wir doch alle Routine, sagen wir, seit wir denken können. Spannender ist doch eigentlich die Frage: Wie werde ich anständig erwachsen, ohne meine Neugier zu verlieren? Neugier auf Menschen, Neugier auf das Leben.

 

Da wären wir schon bei meiner Mutter. Eine kluge Frau, eine von vielen unterschätzte Frau. Und doch. Wie oft habe ich nicht mit ihr gekämpft, in Briefen, mit Worten am Küchentisch, weil sie es für bare Münze nahm, als der Arzt zu ihr sagte: "Tja, Ihre Batterie ist eben abgelaufen". Da war sie 65. Sie fühlte sich antriebslos, müde. Die abgelaufene Batterie wurde ihr Mantra, eine Entschuldigung für vieles und ich immer wütender. Wohl ein typischer Tochter-Mutter-Fight.

Im Rückblick kann ich ihr Gefühl verstehen, nicht aber ihre Resignation. Ich gebe es zu: Antriebslose Momente begegnen mir heute öfter als früher. Nicht selten denke ich: "Vergeude keine Kraft und Zeit darauf dies und das vor dir herzuschieben. Erledige es jetzt. Punkt".

Damit wären wir bei der Tochter. Die ich bewundere, weil sie 1000 Bälle gleichzeitig in der Luft hat und ergo nicht mal weiß, wie man Unlust buchstabiert. Aber sie deswegen beneiden? Nein. Sollte sie eines Tages nicht denkt: "Lass mich bloß nicht so werden wie Mama", ich würde mich freuen.

Ihre Mama, die krempelte mit 45 alles um, zog mit ihr nach Schweden. Dort wollte sie seit '77 hin. Sie hatte all die Jahre in Deutschland gewitzelt: "Wenn ich mal groß bin...". Sie hat es bis heute nicht bereut. Auch deshalb nicht, weil sie hier die Grenzen zwischen Generationen als weniger ausgeprägt empfindet. Ob nun im Sprachkurs, wo 18-Jährige neben Rentnern sitzen, ob an der Uni, wo ein 50-Jähriger, der seinen Ingenieur macht, keineswegs als Opa belächelt wird. Beim Arbeitsamt, wo die Frau über 40 gefragt wird: "Was willst du machen?" und nicht "Was kannst du machen?". Junge Leute im Bus, mit denen du spontan ins Gespräch kommst, weil sie zufällig auf deiner Kamera die Fotos vom Pridefestival entdecken.

 

Ich verbinde mit dem Älterwerden viele Vorzüge. Gelassenheit zum Beispiel. Du grinst dir eins, anstatt dich wie früher furchtbar aufzuregen. Du liest gründlicher zwischen den Zeilen. Du hörst genauer hin, wenn auch möglicherweise nicht mehr so gut wie früher. Du redest weniger, sagst aber im besten Fall mehr. Nicht zu vergessen: Du gibst weniger Geld für unnötigen Krempel aus.

Du hast einiges er- und überlebt, das andere vielleicht hätte verzweifeln lassen. Aber dich hat es vor allem eines gemacht: Zufriedener.

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14 apr 2016

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